Diese Sprache(n) will ich lernen:
Autor:

Johannes Bopp
Die wichtigste Grundlage der japanischen Höflichkeitsformen ist, wie du Leute ansprichst. Und eines vorweg: es ist viel komplizierter als im Deutschen.
Du weißt ja, dass wir Deutsche im Grunde nur zwei Wege haben, jemanden anzusprechen: mit dem Vornamen oder dem Nachnamen. Im Japanischen hingegen gibt es mehr als 7 Wege. Lass mich dir ein Beispiel geben:
Nehmen wir an, du kennst jemanden, der Thomas Müller heißt. Im Japanischen hast du unter anderem diese Optionen, um ihn anzusprechen:
Müller-san
Müller-kun
Müller-sama
Müller-sensei
Müller-senpai
Müller-buchō
Müller-chan
Welchen dieser Suffixe du nutzen musst, hängt vom Kontext, seinem Status und deiner Beziehung zu ihm ab. Und in nur sehr seltenen Fällen würdest du ihn beim Vornamen ansprechen.
Hier zeige ich dir, wann du welches Suffix nutzen musst. Ich zeige dir auch wichtige Verhaltensweisen an öffentlichen Orten wie Restaurants, Transportmitteln oder im Büro.
Die japanische Höflichkeitssprache: Wie man Leute in Japan anspricht
In Japan rufst du nur die engsten Personen in deinem Leben bei ihrem Vornamen. Deinen Ehepartner zum Beispiel. Deshalb musst du 99 % aller Leute, die du triffst, bei ihrem Nachnamen mit dem richtigen Suffix ansprechen. Sehr wichtig: Sag nie einfach den Nachnamen einer Person ohne Suffix. Das wird als respektlos wahrgenommen.
Aber ich habe eine gute Nachricht für dich: Es gibt ein Suffix, das du fast in allen Situationen verwenden kannst: „-san (さん)“. Verwende es immer, wenn du dir unsicher bist. Es drückt Respekt und Höflichkeit aus, ohne zu formell zu sein. Es ist das am meisten verwendete Suffix.
Tipp: Wenn du die japanischen Schriftzeichen, wie „さん“ verstehen willst, dann lies unseren Artikel zum japanischen Alphabet
Jetzt zeige ich dir weitere Suffixe für spezielle Situationen:
Für Alter und Geschlecht
Das Suffix „-san“ (さん) ist geschlechtsneutral. Es gibt aber auch geschlechtsspezifische Suffixe:
-chan (ちゃん) – Für Mädchen
Dieses Suffix ist verniedlichend und wird meistens für Mädchen verwendet. In der Schule kann ein Mädchen oder Junge ein anderes Mädchen mit „-chan“ ansprechen, wenn sie befreundet sind. Auch Erwachsene können ein Mädchen auf diese Weise ansprechen, wenn sie es gut kennen. Aber verwende es nie bei erwachsenen Frauen, selbst wenn sie jünger sind als du.
-kun (君) – Für Jungs
„-kun“ wird nur für Jungs verwendet, aber auch nur unter einer Bedingung: Der Junge, der mit „-kun“ angesprochen wird, muss jünger oder gleichaltrig sein. Es wäre in der Schule zum Beispiel unhöflich, wenn ein Junge einen älteren Jungen mit „-kun“ anspricht. Nehmen wir mal den Namen Thomas Müller als Beispiel:
Wenn du „Müller-kun“ sagst, ist das ungefähr so, als würdest du im Deutschen „kleiner Thomas“ sagen.
Um jemanden mit „-kun“ anzusprechen, muss man aber auch mit der Person vertraut sein. Deshalb solltest du im Zweifelsfall immer „-san“ verwenden.
In der Berufswelt
Egal ob in einem Büro oder Geschäft, diese drei Suffixe musst du kennen, wenn du in Japan arbeiten willst.
-san (さん) – für Kollegen
Nutze für deine Kollegen immer „-san“ und es wird nichts schieflaufen. Abhängig vom Unternehmen kannst du vielleicht auch deinen Chef mit „-san“ ansprechen. Bei uns in Deutschland ist es ja auch so, dass in manchen Unternehmen der Chef gesiezt und in anderen geduzt wird.
Aber am wahrscheinlichsten ist es, dass du für deinen Chef folgenden Suffix benutzen musst:
-buchō (部長) – Für Vorgesetzte
Buchō bedeutet „Abteilungsleiter“ oder „Manager“. Heißt: Mit diesem Suffix erkennst du deinen Chef als Leiter an. Deshalb nutze immer „-buchō“, außer dein Chef will mit „-san“ angesprochen werden.
-sama (様) – Für wichtige Personen
Dieses Suffix benutzt du nur bei Leuten, denen du viel Respekt erweisen musst. Im geschäftlichen Kontext wären das zum Beispiel wichtige Kunden, Geschäftspartner, Investoren oder Personen aus der Regierung.
In der Schule
Wenn du als Austauschschüler nach Japan willst, musst du diese Suffixe kennen:
-san (さん) – Für alle, die nicht deine Freunde sind
Auch unter Schülern wird „-san“ am meisten verwendet. Benutze es für alle, mit denen du keine enge Beziehung hast.
-kun (君) oder -chan (ちゃん) für deine Freunde
Deine Freunde kannst du mit „-chan“, „-kun“ oder beim Vornamen ansprechen, je nachdem, ob sie männlich oder weiblich sind. Aber sag niemals „-chan“ oder „-kun“ zu jemandem, der eine oder mehrere Stufen über dir ist.
-senpai (先輩) – Für ältere Schüler
In der Schule musst du jeden, der in einem höheren Jahrgang ist, mit „-senpai“ ansprechen.
-sensei (先生) – Für Lehrer
Sprich jeden Lehrer mit „-sensei“ an. Das Wort „Sensei“ bedeutet schließlich auch „Lehrer“. Alle anderen Suffixe wären unangemessen.
Tabelle mit allen Suffixen für das Ansprechen von Personen
| Suffix | Aussprache | Verwendung |
|---|---|---|
| -san (さん) | [saɴ] | Geschlechtsneutral, höflich, für fast alle Situationen geeignet |
| -chan (ちゃん) | [t͡ʃaɴ] | Verniedlichend, meist für Mädchen, unter Freunden oder für kleine Kinder |
| -kun (君) | [kɯɴ] | Für Jungs, meist wenn sie jünger sind oder eine vertraute Beziehung besteht |
| -senpai (先輩) | [se̞ɴpai̯] | Für ältere Schüler oder Personen mit mehr Erfahrung in Clubs/Teams |
| -sensei (先生) | [se̞ɴse̞ː] | Für Lehrer, unabhängig von Alter oder Beziehung |
| -buchō (部長) | [bɯt͡ʃoː] | Für Vorgesetzte wie Abteilungsleiter oder Manager |
| -sama (様) | [sama] | Für wichtige Personen wie Kunden, Geschäftspartner oder Regierungsmitglieder |
Japanische Etikette lernen: Vermeide die 5 typischen Fehler von Europäern in Japan
Es reicht nicht aus, nur die korrekte Ansprache zu kennen. Es gibt auch viele Verhaltensregeln, die du unbedingt kennen musst. Insbesondere die Verbeugung:
Verbeuge dich, anstatt die Hand zu reichen
Das wirkt erst einmal wie eine leichte Aufgabe. Aber es ist komplizierter, als du vielleicht denkst. Es gibt nämlich unterschiedliche Verbeugungstiefen:
Für alltägliche Begrüßungen musst du deinen Kopf nur kurz neigen, während eine tiefere Verbeugung mehr Respekt ausdrückt. Wenn du also eine wichtige Person triffst, ist eine tiefere Verbeugung angemessener.
Gut zu wissen: Beim Verbeugen solltest du keinen Blickkontakt herstellen, anders als beim Händeschütteln.
Wenn du ein Mann bist, bleiben deine Hände an den Seiten. Bei Frauen müssen sie vor dem Körper gefaltet werden.
Vermeide das Wort „Nein“ und direkte Kritik
Dieser Tipp ist extrem wichtig, wenn du beruflich in Japan unterwegs sein wirst. Denn in unserer westlichen Arbeitskultur sind wir direkte Sprache und Kritik gewohnt. Wenn etwas nicht richtig lief, wird es auch so gesagt.
In Japan ist das ganz anders. Dort nutzt man eher höfliche Umschreibungen oder indirekte Formulierungen. Lass mich dir ein Beispiel geben:
Eine amerikanische Firma hat einmal einem japanischen Unternehmen einen Auftrag gegeben. Es war ein komplexes Projekt und die Amerikaner wussten nicht, dass manche Aspekte technisch nicht umsetzbar waren. Die japanischen Ingenieure sagten deshalb, es wäre „sehr schwierig“ das umzusetzen – eine sehr häufige Formulierung im beruflichen Kontext in Japan, um zu sagen, dass etwas absolut nicht klappen wird.
Das führte zu einem großen Missverständnis. Denn die Amerikaner dachten daraufhin, dass es zwar schwierig, aber trotzdem machbar wäre – hättest du vermutlich auch gedacht.
Die Lektion: Japaner drücken sich sehr sanft aus. Sei darauf vorbereitet, damit keine Missverständnisse entstehen! Und wenn du sehr direkte Sprache verwendest, kann das als respektlos wahrgenommen werden.
Mach keinen Lärm in öffentlichen Verkehrsmitteln
In Japan wird großer Wert auf Ruhe und Rücksichtnahme in öffentlichen Verkehrsmitteln gelegt. Lautes Sprechen oder Telefonieren in Zügen und Bussen gilt als unhöflich, weshalb du nur sehr leise oder gar nicht sprechen solltest.
Es gibt auch spezielle Prioritätensitze für ältere Menschen, Schwangere und Menschen mit Behinderungen. Achte darauf, damit du keinen dieser Plätze versehentlich besetzt.
Schlürfe beim Essen der Nudelsuppe
Es hört sich wie ein schlechter Ratschlag an, weil das absolut gegen unsere deutschen Tischmanieren geht. Aber Japaner werden sich freuen, wenn du ihre Nudelsuppe schlürfst. Warum? Das zeigt, dass sie dir sehr gut schmeckt. Wenn du aber ganz leise isst, kommt das so rüber, als würdest du die Suppe mit vielen Qualen essen.
Gib kein Trinkgeld
Das ist ein sehr interessanter Unterschied:
In den USA ist es eine Beleidigung, kein Trinkgeld zu geben. Doch in Japan ist es genau andersrum: Wenn du Trinkgeld gibst, beleidigst du den Dienstleister. Es ist für ihn so, als würdest du sagen: „Deine Arbeit war so schlecht, dass ich dich bezahlen muss, damit du deinen Job richtig machst.“ Und das wäre für die Person verletzend, selbst wenn du das Geld mit bester Absicht gibst.
Zusammenfassung: Japanische Umgangsformen lernen
Jetzt bist du endlich bereit: Mit diesen japanischen Höflichkeitsregeln kannst du Japan besuchen und musst keine Angst haben, jemanden versehentlich respektlos zu behandeln. Denn jetzt weißt du, wie du Leute richtig ansprichst, kommunizieren sollst und wie du dich an öffentlichen Orten verhalten musst.
Denke aber auch daran, die Basics der Sprache zu lernen, damit du kommunizieren kannst. Das lernst du ganz schnell, wenn du dir Busuu holst:
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